Die Erdenet Mining Corporation, ein Joint Venture zwischen Russland und der Mongolei, betreibt die viertgrößte Kupfermine der Welt, in der jährlich 126 700 Tonnen Kupfer gefördert werden. Bild: Erdenet
Kupfer, Stahl und Gold: Die Mongolei will damit beginnen, ihre Rohstoffe zu verarbeiten. Eine Kupferschmelze und eine Stahlhütte sollen den Anfang machen. Laut GTAI bahnen sich Milliardeninvestitionen an.
Die Mongolei verfügt über umfangreiche Rohstoffvorkommen, aber nur eine begrenzte verarbeitende Industrie, wie die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest (GTAI), in ihrem aktuellem Länderbericht schreibt. Die Wirtschaft des Landes lebt vor allem vom Export von Kohle sowie Kupfererz und Kupferkonzentrat nach China. Rund 90 Prozent der Ausfuhren gehen in das Nachbarland. Insbesondere Kupfer hat sich dank hoher Weltmarktpreise und einer robusten Nachfrage zu einem wichtigen Devisenbringer entwickelt. Die steigenden Exporterlöse haben der mongolischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren zusätzliche Impulse verliehen. Dies verschafft der Regierung Spielraum, neben Infrastrukturprojekten auch Vorhaben zur Weiterverarbeitung von Rohstoffen voranzutreiben. Ziel ist es, mehr Wertschöpfung im Land zu schaffen und qualifizierte Arbeitsplätze aufzubauen. Im Juni 2026 wurde ein lange geplantes Investitionsprojekt für den Bau einer Kupferschmelze vergeben. Weitere Vorhaben zeichnen sich bei der Verarbeitung von Eisenerz, Gold und Uran ab. Die damit verbundenen Milliardeninvestitionen könnten auch Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Anbieter eröffnen.
Kupferschmelze soll Exporterlöse steigern
Im Ausschreibungsverfahren für die geplante Kupferschmelze setzte sich der chinesische Konzern China Nonferrous Metal Industry's Foreign Engineering and Construction (NFC) durch. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche vergleichbare Projekte im In- und Ausland als EPC-Auftragnehmer (Engineering, Procurement, Construction) realisiert. In der Mongolei will NFC mehr als 700 Millionen Dollar (US$) investieren. Das benötigte Kupfer soll aus den Lagerstätten des staatlichen Bergbaukonzerns Erdenet stammen. Nach Angaben des Unternehmens kontrolliert Erdenet 38 Prozent der mongolischen Kupferreserven. Im Jahr 2025 förderte der Konzern mehr als 40 Millionen Tonnen Kupfererz und produzierte bis zu 600 000 Tonnen Kupferkonzentrat. Der geplante Kupferkomplex soll laut Ausschreibungsunterlagen jährlich 120 000 Tonnen Kathodenkupfer erzeugen. Wichtigster Absatzmarkt dürfte erneut China sein, wo Kupfer insbesondere für den Ausbau der Elektromobilität und der Energiewirtschaft benötigt wird.
Eigener Stahl für den Bauboom in der Mongolei
Anders gelagert ist das geplante Stahlprojekt, das vorrangig den heimischen Markt bedienen soll. Der Bauboom ließ den Stahlverbrauch 2025 auf rund 1 Million Tonnen steigen. Nach Schätzungen der Regierung könnte der Bedarf bis 2030 auf 1,7 Millionen Tonnen wachsen. Bislang ist die Mongolei bei Stahlerzeugnissen weitgehend auf Importe angewiesen. Im Frühjahr 2026 leitete die Regierung das Auswahlverfahren für das Projekt ein. Noch im Jahresverlauf soll ein Investor bestimmt werden. Die Stahlhütte soll auf Basis der Darkhan Metallurgical Plant (DMP) entstehen. Dort produziert die Erdenes Mongol Group bereits Eisenerzkonzentrat und Stahlprodukte in begrenztem Umfang. Zur Versorgung des geplanten Stahlwerks soll der Eisenerzabbau in der Khust-Uul-Mine ausgeweitet werden. Die Investitionen werden auf 806 Millionen Dollar veranschlagt. Mit einer Jahreskapazität von 1 Million Tonnen Stahlerzeugnissen, darunter Bewehrungsstahl, Stahlknüppel und Mahlkugeln, könnte die Anlage künftig bis zu 70 Prozent des Inlandsbedarfs decken. Dies würde die Importabhängigkeit reduzieren und die Kosten der mongolischen Bauwirtschaft senken. Zudem soll die entstehende Abwärme energetisch genutzt werden.
Kohleveredlung könnte Umweltbelastung senken
Kohle exportiert die Mongolei vor allem an die Stahlindustrie in China. Im Jahr 2025 wurde eine Machbarkeitsstudie für eine Kohleveredlungsanlage nahe der Baganuur-Mine abgeschlossen. Dort soll halbverkokte Kohle produziert werden. Das Vorhaben verfolgt auch umweltpolitische Ziele. Viele Haushalte heizen weiterhin mit Kohle und tragen damit erheblich zur Luftverschmutzung in den Städten bei. Nach Angaben von Erdenes Mongol könnten raucharme Briketts die Staub- und Emissionsbelastung um bis zu 80 Prozent verringern. Der Staatskonzern, der zu den Eigentümern der Mine gehört, gilt zugleich als zentraler Ansprechpartner für den geplanten Kohlechemiekomplex. Die Investitionskosten werden auf rund 190 Millionen Dollar geschätzt. Quelle: gtai