Mit Simandou verfügt Guinea über schätzungsweise zwei Milliarden Tonnen Eisenerz. Bei Vollauslastung der vier Minen der Lagerstätte liegt die Förderung bei jährlich 120 Millionen Tonnen. Bild: Business Insider Africa
Mit Simandou geht Afrikas größtes integriertes Greenfield-Bergbau- und Infrastrukturprojekt in Betrieb. In Anwesenheit des Präsidenten der Republik Guinea haben die Projektpartner WCS, Baowu, Chinalco und Rio Tinto am 11.November den Betriebsstart gefeiert. Das westafrikanische Land avanciert mit dem Megaprojekt Simandou zu einem Global Player für hochwertiges Eisenerz in Direktreduktionsqualität.
Simandou wird von zwei großen Konsortien erschlossen. Die Lizenzblöcke 1 und 2 entwickelt das Winning Consortium Simandou (WCS) mit der China Baowu Group (Baosteel und Wuhan Iron and Stee) als größtem Anteilseigener. Der Wettbewerber Simfer baut das Eisenerz aus den beiden südlicher gelegenen Blöcken 3 und 4 ab. In diesem Konsortium ist das britisch-australische Bergbauunternehmen Rio Tinto mehrheitlich beteiligt. Das Projekt umfasst den Bau einer rund 670 Kilometer lange Eisenbahnstrecke an den Atlantik zum im Bau befindlichen Hafen Morebaya in Guinea sowie Hafenanlagen für Lastkähne und Umschlagschiffe. Nach der Inbetriebnahme und dem Hochfahren wird diese Infrastruktur den Export von insgesamt bis zu 120 Millionen Tonnen pro Jahr an abgebautem Eisenerz durch SimFer und WCS aus ihren jeweiligen Bergbaukonzessionen in Simandou im Südosten des Landes unterstützen. Die Tests und die Inbetriebnahme der Infrastruktur des Bergwerks, der Eisenbahn und des Binnenschiffshafens sind laut Rio Tinto im Gange, wobei sowohl WCS als auch SimFer mit dem Transport von Eisenerz vom Bergwerk zum Hafen über die transguineische Eisenbahnlinie begonnen haben. Nach der vollständigen Inbetriebnahme Ende 2025 werden alle gemeinsam entwickelten Infrastrukturen und Fahrzeuge an die Compagnie du TransGuinéen (CTG) übertragen und von dieser betrieben, an der Simfer und WCS jeweils 42,5 % der Anteile halten, während die Regierung von Guinea die restlichen 15 % hält.
Simandou liefert hochqualitatives Eisenerz in DRI-Qualität
Das Simandou-Projekt ist mehr als nur ein Bergbauprojekt; es gilt als ein geopolitischer Schachzug und ein entscheidender Moment für die weltweiten Bemühungen zur Dekarbonisierung. Mit der Lagerstätte Simandou im Südosten des Landes verfügt Guinea über schätzungsweise zwei Milliarden Tonnen Eisenerz. Bei Vollauslastung der vier Minen des Gebiets liegt die Förderung bei jährlich 120 Millionen Tonnen. Im Vergleich zu den Branchengrößen mag die reine Fördermenge bescheiden klingen. Australien als mit Abstand größter Eisenerz-Produzent förderte 2023 circa 960 Millionen Tonnen, Brasilien folgt auf Platz zwei mit 440 Millionen Tonnen. Doch mehr noch als wegen seiner potenziellen Fördermenge ist Simandou wegen der hohen Qualität des Eisenerzes für die globale Dekarbonisierung der Stahlindustrie von Bedeutung. Der hohe Reinheitsgrad erlaubt es, das Eisenerz statt in herkömmlichen Hochöfen auch in CO2-einsparender Direktreduktion zu verarbeiten. So baut der chinesische Stahlriese Baosteel in der Provinz Gouangdong ein Stahlwerk auf der Basis von Direktreduktion, das mit Eisenerz aus Simandou beliefert werden soll. Hu Wangming, Vorsitzender der China Baowu Group, ist sich sicher: „Die stabile Versorgung mit hochwertigen Eisenerzressourcen aus Simandou wird eine solide Grundlage für kohlenstoffarme Rohstoffe für die Entwicklung der chinesischen Stahlindustrie und des globalen Stahlsektors bilden. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese vorbildliche Zusammenarbeit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Guineas, dem Gastland des Projekts, einen nachhaltigen Impuls verleihen wird.“ Auch Rio-Tinto-CEO Simon Trott ist zuversichtlich: „Wir erschließen eine außergewöhnliche neue Quelle für hochwertiges Eisenerz, das von Kunden für die Herstellung von kohlenstoffarmem Stahl nachgefragt wird und erweitern damit unser Weltklasse-Portfolio an Eisenerzminen in Pilbara und Kanada.“ Quelle: Rio Tinto, Business Insider Africa, GTAI