03.06.2014

ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg

Streckmetall aus ultradünnem Weißblech

Kellerrosten, Stents und Sieben ist eines gemein: Sie bestehen oftmals aus Streckmetall, einem besonderen Metallgitter. Während diese Metallgitter aus Aluminium und Kupfer vielfach dünner als ein zehntel Millimeter sind, war bei Stahl bisher bei 0,4 mm Schluss. Mitarbeiter der ThyssenKrupp Rasselstein GmbH haben nun gemeinsam mit der Bender GmbH ein Streckmetall aus nur 0,13 mm dickem Stahl entwickelt – genauer gesagt aus Weißblech. Der Vorteil: Stahl ist wesentlich stabiler als Aluminium und zudem kostengünstig.


Ressourcen zu sparen liegt nicht nur in der Automobilindustrie im Trend – auch andere Betriebe achten zunehmend darauf, bei ihren Produkten möglichst wenig Material einzusetzen. So beispielsweise bei Streckmetallen, bei dem man ein Blech vereinfacht gesagt in Querrichtung einschneidet und ohne Materialverlust in die Länge zieht. Das Ergebnis sind Gitterstrukturen, wie man sie in Filtern, Stents oder auch bei Kellerrosten findet. „Ein solches Streckmetall konnten wir gemeinsam mit der Bender GmbH erstmals aus 0,13 mm ultradünnem Stahlblech herstellen“, sagt Tobias Kirst, Entwicklungsingenieur bei ThyssenKrupp Rasselstein. „Damit haben wir Pionierarbeit geleistet.“ Denn während Streckmetalle aus Kupfer oftmals nur 0,03 mm dick sind, war bei Stahl bisher bei 0,4 mm Schluss. Die Forscher konnten die Dicke des Blechs also um etwa 70 % reduzieren. Trotz dieser enormen Materialersparnis bleibt das Streckmetall stabil und robust.


„Entstanden ist das Produkt aus der Idee, Material für einen Einweg-Grillrost aus Stahlblech zu entwickeln“, erläutert Kirst. Denn die Aufgabe, den Grillrost nach dem Essen vom eingebrannten Fett zu befreien, ist nicht sonderlich beliebt. Viele Grillfreunde legen daher eine Alufolie unter das Fleisch. Das Manko: Nimmt man das letzte Würstchen vom Grill, fliegt diese durch den Auftrieb vom Feuer leicht weg, außerdem fehlt dem Fleisch der typische Grillgeschmack. Auf der geschlossenen Alufolie sammelt sich zudem schnell heißes Öl, das sich entzünden kann. Legt man statt der Alufolie jedoch ein dünnes Streckmetall auf den Rost, bleibt dieser sauber wie bei der Alufolie. Das Fleisch wird knusprig, hat das typische Grillmuster und den etwas rauchigen Geschmack. Und überschüssiges Öl kann sich auf dem durchbrochenen Stahl auch nicht sammeln.


Die Anwendungen des dünnen Streckmetalls sind vielfältig. Denn dieses Material bietet zahlreiche Vorteile: Es ist filigran, dünn und daher leicht, aber dennoch stabil und robust. So lassen sich aus ihm beispielsweise Filter fertigen. Die Filterhersteller brauchen somit weniger Material und sparen Kosten. Die Filter an sich bestehen meist aus einem weichen Schaumstoff, der bislang meist von einem Streckmetall aus Aluminium gestützt wird. Künftig könnten die Hersteller dafür auch Streckmetall aus Stahl verwenden. Der Vorteil: Stahl ist härter und stabiler als Alu. Das heißt: Es reichen dünnere Streckmetalle, um die Stabilität zu erreichen. Zudem ist der Stahl an sich bereits wesentlich preisgünstiger als Aluminium.


Doch Filter sind bei weitem nicht die einzige Anwendung für das dünne Streckmetall. Es lässt sich auch einsetzen, um elektromagnetische Strahlung abzuschirmen. Man spricht dabei von der elektromagnetischen Verträglichkeit. Im Baubereich könnte das dünne Streckmetall ebenfalls gute Dienste leisten – etwa beim Fliesenspiegel. Hier fügen die Handwerker entweder Metallstreben oder Kunststoffgitter mit ein, sodass die Fliesen nicht herausfallen und ein Stück vom Putz herunter reißen können. Designer können das neue Streckmetall ebenfalls nutzen: Beschichtet man die Stahlfolie mit einer farbigen Schicht, bevor man das Streckmetall daraus erzeugt, ergeben sich interessante Effekte. Aus diesen bunten Streckmetallen lassen sich beispielsweise Lampenschirme oder ähnliche Dekorationsartikel herstellen.


ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg