15.01.2014

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim

Steigende Innovationsausgaben bei weiter nachlassender Innovationsbeteiligung

Die Unternehmen in Deutschland planen, in den Jahren 2013 und 2014 mehr Geld für Innovationsaktivitäten auszugeben. Nachdem die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft bereits im Jahr 2012 mit 137,4 Mrd. € einen Spitzenwert erreicht haben, sollen sie in 2013 um 3,7 % auf 142,6 Mrd. € steigen. Für 2014 ist eine weitere Erhöhung der Innovationsbudgets um 3,0 % auf dann 146,9 Mrd. € vorgesehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Innovationserhebung für Deutschland, für die im Frühjahr und Sommer 2013 rd. 16 100 Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungen zu ihren getätigten und geplanten Innovationsausgaben befragt wurden und deren Auswertung jetzt vorliegt. Die Erhebung wird vom Zentrum für Europäischen Wirtschaftsforschung (ZEW) in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sowie infas - Institut für Angewandte Sozialwissenschaften im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich durchgeführt.


Die nähere Betrachtung der Innovationsausgaben für 2012 zeigt, dass der Zuwachs um 4,8 % gegenüber 2011 auf 137,4 Mrd. € erneut vor allem von den großen Unternehmen (500 und mehr Beschäftigte) getragen wurde. Die kleineren Unternehmen traten angesichts der aufgrund der Eurokrise unsicheren konjunkturellen Situation im Jahr 2012 bei den Innovationsaktivitäten weiter auf die Bremse. Entsprechend sank der Anteil der Unternehmen, die Innovationen eingeführt haben, auf 38,3 %. Auch der mit neuen Produkten erwirtschaftete Umsatz blieb im Jahr 2012 mit 12,6 % deutlich unter dem Vorjahreswert (2011: 14,6 %).


Den mit Abstand größten Beitrag zu den gesamtwirtschaftlichen Innovationsausgaben leistete – wie schon in den Vorjahren – die forschungsintensive Industrie. Auf sie entfielen mit 87,8 Mrd. € fast 64 % der gesamten Innovationsausgaben. Innerhalb der forschungsintensiven Industrie verfügt der Fahrzeugbau mit Abstand über das höchste Innovationsbudget (44,0 Mrd. €). Die wissensintensiven Dienstleistungen und die sonstige Industrie steuerten jeweils etwa 15 % bei. Die sonstigen Dienstleistungen gaben 2012 rd. 8,6 Mrd. € für Innovationen aus, das entspricht einem Anteil von gut 6 %.


Innovatoren sind Unternehmen, die Produkt- oder Prozessinnovationen eingeführt haben. Ihr Anteil an allen Unternehmen sank im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 % auf 38,3 %. Vor der Finanzmarktkrise des Jahres 2008 hatte die Innovatorenquote bei 47,0 % gelegen. Im Vergleich hierzu verringerte sich die Anzahl der Innovatoren bis 2012 um 18 %.


Der neuerliche Rückgang der Innovatorenquote betraf im Jahr 2012 alle betrachteten Sektoren. Besonders niedrige Innovatorenquoten weisen die Wasserversorgung und Entsorgung sowie das Transportgewerbe auf. Besonders hohe Innovatorenquoten zeigen sich dagegen im Bereich EDV/Telekommunikation, Chemie- und Pharmaindustrie, Maschinenbau und Elektroindustrie.


Werden Produkt- und Prozessinnovationen gesondert betrachtet, zeigen sich gegensätzliche Entwicklungen. Im Vergleich zu 2011 stieg die Produktinnovatorenquote im Jahr 2012 um rd. einen Prozentpunkt, während der Anteil der Prozessinnovatoren um zwei Prozentpunkte zurückging. Der Anteil der Unternehmen, die sowohl Produkt- als auch Prozessinnovationen eingeführt haben, blieb unverändert.


Der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz der deutschen Wirtschaft – die sogenannte Innovationsintensität – erreichte 2012 den höchsten Stand seit 2007. Sie stieg auf 2,71 %, 2011 hatte sie 2,58 % betragen. Die Innovationsintensität ist gestiegen, da die Unternehmen trotz stagnierender Umsätze ihre Innovationsausgaben erhöht haben. Auf Branchenebene zeigen sich jedoch große Unterschiede bei diesem Indikator: Die höchsten Innovationsintensitäten wiesen im Jahr 2012 der Fahrzeugbau mit 10,2 % und die Elektroindustrie mit 8,7 % auf. Im Großhandel, den Finanzdienstleistungen, der Energieversorgung (inkl. Bergbau und Mineralölverarbeitung), den Unternehmensdiensten sowie der Entsorgungs- und Wasserwirtschaft werden dagegen weniger als 1 % des Umsatzes in Innovationsprojekte investiert.


Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim