13.03.2015

Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Halle

Starkes Winterhalbjahr und weiter robuste Dynamik

Die gesamtwirtschaftliche Produktion ist in Deutschland im Jahr 2014 wieder spürbar ausgeweitet worden, insbesondere dank einer Belebung der Investi­tionstätigkeit und des privaten Konsums. Im Winterhalbjahr 2014/2015 dürfte der Produktionsanstieg besonders kräftig ausfallen. Auch wenn das Expansionstempo im weiteren Jahresverlauf wieder etwas abflacht, sprechen günstige Rahmenbedingungen wie gesunkene Energiekosten und sehr niedrige Finanzierungskosten für eine gute Konjunktur in den Jahren 2015 und 2016. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2015 um 2,0% zulegen (66%-Prognoseintervall: 1,6% bis 2,5%).


An den Weltrohstoff- und -finanzmärkten gab es zuletzt erhebliche Verschiebungen. Vor allem hat sich der Ölpreis in US-Dollar gemessen seit dem Sommer fast halbiert. Die verschlechterten Aussichten für die energieexportabhängige russische Wirtschaft haben den Rubel in etwa dem gleichen Ausmaß abwerten lassen. Aber auch der Euro hat seit dem Sommer 2014 gegenüber dem US-Dollar über 15% an Wert verloren. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die US-Geldpolitik vorsichtig die Zinswende vollzieht, während die Euro­päische Zentralbank (EZB) erst jüngst mit umfangreichen Wertpapierkäufen begonnen hat.


Die internationale Konjunktur wird im Jahr 2015 von einer Reihe von Faktoren gestützt: Die Wirtschaftspolitik ist in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften alles in allem expan­siv, die Bedingungen von Seiten der Finanzmärkte sind günstig, und vom Ölpreisfall kommt per saldo ein positiver Impuls. All dies trifft in besonderem Maß auf den Euroraum zu. Die niedrigen Zinsen erleichtern die Tragbarkeit der öffentlichen Haushalte, und mittlerweile scheint der Fall der Zinsen auch die Bankkredite in den südlichen Mitgliedsstaaten zu erreichen. Die real verfügbaren Einkommen steigen aufgrund gesunkener Energiekosten. Zudem ist die Beschäftigung im Euroraum im Jahr 2014 langsam wieder gestiegen. Schließlich hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten im Euroraum durch die Schwäche der Währung verbessert. Dennoch dürfte die Erholung der Wirtschaft im Euroraum keine hohe Dynamik erreichen. Denn die Schuldenlasten von öffentlichem Sektor, Unternehmen und privaten Haushalten sind nach wie vor in vielen Ländern hoch. Zudem ist es der Wirtschaftspolitik in Italien und Frankreich noch nicht gelungen, die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Wachstum entscheidend zu verbessern. Auch weil die Erholung des Euroraums moderat bleiben wird, dürfte die weltwirtschaftliche Produktion im Jahr 2015 trotz der günstigen Rahmenbedingungen nur wenig an Schwung gewinnen.


Nachdem die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland zwei Jahre in Folge nahezu stagniert hatte, ist sie im Jahr 2014 wieder spürbar ausgeweitet worden. Die günstigere Konjunktur zeigte sich vor allem darin, dass die Unternehmen wieder in Ausrüstungen und Gewerbebauten investierten. Aber auch die Wohnungsbauinvestitionen wurden deutlich rascher ausgeweitet; zudem stiegen die privaten Konsumausgaben stärker. Für das erste Quartal 2015 sprechen die vorlaufenden Indikatoren dafür, dass der Pro­duktionsanstieg kräftig bleiben wird; unter anderem wird die Bauproduktion aufgrund des milden Winters wohl deutlich zulegen. Im weiteren Jahresverlauf dürfte das Expansionstempo dann zwar etwas abflachen – so lagen die Auftragseingänge in der Industrie im Januar unter ihrem Vorquartalsstand –, alles in allem bleibt aber vor allem die Dynamik der Binnennachfrage auch aufgrund der gesunkenen Energiekosten weiter hoch. Die Unternehmensinvestitionen, die ohnehin durch die sehr niedrigen Zinsen stimuliert werden, erhalten zusätzliche Impulse durch die steigenden Gewinne der Unternehmen, und die Konsumausgaben der privaten Haushalte werden aufgrund steigender Realeinkom­men rascher ausgeweitet. Die Perspektiven für den Export sind angesichts der spürbaren Abwertung des Euro ebenfalls günstiger.


Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2015 um 2,0% steigen, das 66%-Prognoseintervall reicht von 1,6% bis 2,5%. Nach einer Unterauslastung im Jahr 2014 wird sich die Produktionslücke Ende 2015 wohl schließen. Im Jahr 2016 nimmt das Bruttoinlandsprodukt wohl um 1,6% zu, das 66%-Prognoseintervall reicht von 0,2% bis 3,1%. Die Produktionskapazitäten dürften dann etwas stärker als normal ausgelastet sein. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte zunächst noch sinken, auf 2,8 Millionen Personen im Jahr 2015, und im Jahr 2016 auf diesem Niveau verharren. Angesichts der stark gesunkenen Energiekosten werden die Verbraucherpreise im Jahr 2015 wohl nur geringfügig steigen und danach mit 1,2% wieder etwas stärker zunehmen. Die öffentlichen Haushalte werden wie schon 2014 in beiden Jahren einen Überschuss ausweisen.


Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Halle