03/04/2014

Salzgitter AG, Salzgitter

Neue Schutzhülle für den Reaktor von Tschernobyl

Mit einem symbolischen Knopfdruck wurden genau 26 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl die Bauarbeiten für die neue Schutzhülle für den Reaktor offiziell eingeleitet. Über 40 Staaten beteiligen sich an den rund 1,6 Mrd. € Kosten für das Jahrhundertbauwerk, das den Reaktor 4 für mindestens 100 Jahre luftdicht verschließen soll. Geplante Fertigstellung: 2015. Salzgitter Mannesmann Line Pipe (MLP) lieferte für den Bau 1 122 Rohre in spezieller Qualität.


Das Vormaterial für die Rohrherstellung stellte die Salzgitter Flachstahl mit etwa 2 000 t einer speziell hierfür abgestimmten Warmbreitbandgüte. Gefordert war ein spezieller Stahl mit einem gezielt eingestellten Phosphorgehalt. Diese Materialzusammensetzung können weltweit nur wenige Lieferanten fertigen. Um für ein Rohrwerk einen neuen Stahl zu gießen und zu walzen, muss der Stahlhersteller genau die technischen Möglichkeiten und Fertigungsverfahren des Rohrwerks kennen und umgekehrt.


Hier zahlt sich die enge Zusammenarbeit der beiden Konzernschwestern Salzgitter Flachstahl und Salzgitter Mannesmann Line Pipe wieder aus. Der Stahl wurde bei Salzgitter Flachstahl im Juni 2011 unter den eigens hierfür abgestimmten Stahlwerksvorgaben unter höchsten Qualitätsanforderungen produziert. Rund 20 km HFI (hochfrequenz-induktiv)-geschweißte Stahlrohre, hauptsächlich im Durchmesser von 406 mm, verließen dann im September 2011 die MLP Werksgelände in Siegen und Hamm.


Beim italienischen Stahlbauer Cimolai mit Sitz in Pordenone in der Nähe von Venedig wurden die Rohre dann zu Einzelsegmenten vorgefertigt, bevor sie dann im Laufe des Jahres 2012 in die Ukraine geliefert wurden. In nur etwa 300 m Entfernung zum havarierten Reaktor wird derzeit unter schwierigsten Randbedingungen aus den Segmenten eine 108 m hohe Gewölbekonstruktion mit einer Spannweite von 257 m montiert. Somit überragt die Konstruktion die Höhe der Freiheitsstatue oder des Turms des Regensburger Doms.


Dieses sogenannte „New Safe Confinement“, kurz NSC, wird nach Fertigstellung über den Reaktor 4 geschoben und an den Stirnseiten verschlossen. Einerseits soll der NSC dann den schon 1986 eilig errichteten „Betonsarg“ vor Witterungseinflüssen schützen, andererseits soll vor allem ein Austreten radioaktiver Substanzen verhindert werden.


Salzgitter AG, Salzgitter