11.02.2014

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW), Frankfurt am Main

Ist sicher wirklich sicher? Aber sicher!

Die Sicherheit technischer Produkte ist in aller Munde. Sind Restrisiken wirklich nicht vermeidbar? Und welche Restrisiken sind tatsächlich noch vertretbar? Neben ethischen und morali­schen Aspekten wird über handfeste technische Fragen diskutiert, die von Ingenieuren beantwortet werden müssen. Insbesondere Werkzeug­maschinen stellen hohe Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen und Zuverlässigkeit. Im Rahmen der METAV 2014 berichten Experten am 11. März in Düsseldorf über den aktuellen Stand der Entwicklung. Denn deutsche Werkzeugma­schinen sind bereits sehr sicher, und das soll so bleiben.


„Deutsche Werkzeugmaschinen liegen (nicht nur) bei der Sicherheit auf einem Spitzenplatz“, bringt Professor Dominic Deutges von der Fachhochschule Niederrhein den Status Quo auf den Punkt. „Das war aber schon vor der EU-Maschinenrichtlinie und den damit verbundenen Normen so.“ Spätestens seit Einführung dieser Richtlinie 1995 wurden gesetzliche Vorgaben zur Festlegung von Anforderungen für Sicherheits- und Gesundheits­schutz in Europa zentralisiert. Durch den Gebrauch einer Maschine sollen dem Bediener keine vermeidbaren Gefährdungen zugemutet werden. Die körperliche Unversehrtheit muss durch die Produktgestaltung gewährleistet sein.


„Die Risikobeurteilung ist ein zentrales Elemente der Konformitätsbewertung zur CE-Kennzeichnung von Maschinen“, so Thomas Kraus, Experte des VDMA in Frankfurt am Main. „Technische Sicherheitsmaßnahmen, die unabhängig vom Verhalten des Maschinenbedieners wirken, haben Vorrang vor Sicherheitshinweisen. Aktuelle Entwicklungen fördern die Verwendung von berührungslos wirkenden Schutzeinrichtung an Stelle von trennend wirkenden Schutzeinrichtungen.“


Restrisiken sind dabei leider unvermeidbar; sie gilt es zu minimieren. Das Gefährdungspotenzial von Werkzeugmaschinen –  aufgrund hoher Kräfte bei der Bearbeitung großer bewegter Massen oder hoher Werkstückgewichte – wird seit jeher durch große technische Anstrengungen gemindert. Seit Jahren rückläufige Unfallzahlen sind ein Beleg dafür, dass diese Maßnahmen wirken. Dies gilt es neuerdings jedoch mit statistischen Berechnungen zu belegen, so fordert es die ISO 13849. „Zur Umsetzung neuer Konzepte spielen Elemente der funktionalen Sicherheit eine entscheidende Rolle. Insbesondere mechanische Funktionsmodule in der Sicherheitskette stellen eine Herausforderung hinsichtlich der Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit dar. Die Einbeziehung der Betriebsbewährtheit bekommt eine hohe Bedeutung“, erläutert Kraus das Spannungsfeld zwischen erfahrungsbasierter Konstruktion und mittlerweile geforderten rechnerischen Nachweisen.


„Es ist im Interesse aller euro­päischen Maschinenhersteller, dass die international gültigen Spielregeln auch wirklich eingehalten werden. Und immer neue Regulierungsansätze dürfen keinesfalls zu einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit für euro­päische Hersteller werden“, bringt Dr. Alexander Broos vom VDW die Situation auf den Punkt. Zudem könne auch die sicherste Maschine keine vorsätzliche Manipulation ausschließen. Gerade hier liege aber, zumindest in Deutschland, die Hauptur­sache für die wenigen, hin und wieder auftretenden schweren Unfälle. So müssen alle Hersteller den Spagat zwischen größt­möglicher Flexiblilität, wie sie von den Märkten in Deutschland und Europa gefordert wird, Höchst­leistungs­prozessen, Komplexität und einfachster Bedienbarkeit für schlecht ausgebildetes Personal schaffen.


Broos, der als Abteilungsleiter Forschung und Technik des VDW die neuesten Trends bestens kennt, blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: „Unsere Stärke ist es, hochflexible, hochproduktive Maschinen zu bauen. Dass diese sicher sind, ist seit Jahren anerkannt. Wichtig ist nur, dass bei der Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten nicht alles über einen Kamm geschoren wird. Eine Maschine, die in Deutschland als sicher anerkannt ist, bleibt auch im Rest der Welt sicher. Ob diese vergleichsweise teure Technik dort aber einen Markt hat, steht auf einem anderen Blatt.“


Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW), Frankfurt am Main