17.03.2015

Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Halle

Inlandskonjunktur regt ostdeutsche Produktion an

Die Produktions- und Dienstleistungsstandorte in den neuen Bundesländern profitieren sichtlich von der anziehenden Konsum- und Investitionskonjunktur der deutschen Wirtschaft. Mit Ausnahme des Finanzierungs- und Versicherungssektors sowie des Verkehrsgewerbes ist die Bruttowertschöpfung im vierten Quartal 2014 in allen Bereichen der privaten Wirtschaft gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – wie in den alten Bundesländern gegenüber dem dritten Vierteljahr um 0,6% und damit deutlich stärker als im Dezember zunächst geschätzt. Gegenüber dem Vorjahresquartal kletterte der Zuwachs auf 1,4%. Im Durchschnitt des Jahres 2014 wuchs die gesamtwirtschaftliche Produktion – nach der neuen Schätzung des IWH – um 1,5% und somit nur wenig schwächer als in Westdeutschland.


Kräftig expandierte die Produktion – wie bereits im Quartal zuvor – in der Industrie. Allerdings kamen die konjunkturellen Impulse aus dem Inland hier nicht allen Güterbereichen zugute. Während die Produzenten von Maschinen, Geräten und Fahrzeugen sowie von langlebigen Konsumgütern und deren Zulieferindustrien auf hohe Umsatzzuwächse im Schlussquartal verweisen können, waren die Umsätze der Verbrauchsgüterproduzenten im Inland erneut rückläufig. Dagegen stiegen deren Auslandsumsätze, sodass dieser Bereich, der stark vom Ernährungsgewerbe geprägt wird, insgesamt ein Umsatzplus erreichte. Einen solchen Erfolg im Ausland konnte die größte Produzentengruppe der ostdeutschen Industrie, die Hersteller von Vorleistungsgütern, nicht verbuchen. Sie erzielte dort deutlich weniger Verkaufserlöse als zuvor. Die Investitions- und die Gebrauchsgüterproduzenten konnten hingegen auch im Ausland ihren Absatz steigern.


Das ostdeutsche Baugewerbe profitierte zum Jahresende ebenfalls von der anziehenden Investitionskonjunktur. Allerdings fielen die Nachfrageimpulse nach neuen Hoch- und Tiefbauten im Osten weniger stark als im Westen aus. Der Umsatz und die Wertschöpfung sind nach einem halben Jahr rückläufiger Entwicklung gegenüber dem Vorquartal gestiegen.


Die Konsum- und Investitionskonjunktur stimulierte nicht nur die Herstellung von Industriegütern und Bauleistungen, sondern auch den Handel und das Gastgewerbe sowie die Immobilienwirtschaft und die Unternehmensdienstleister. Im Bereich Information und Kommunikation hat sich die Expansion verlangsamt, Verkehr und Lagerei mussten, wie auch die Finanz- und Versicherungswirtschaft, Rückgänge an Wertschöpfung hinnehmen. Von den öffentlichen Dienstleistern gingen erneut keine belebenden Impulse auf die Konjunktur aus.


Für die ersten Monate des Jahres 2015 deuten die vorlaufenden Konjunkturindikatoren auf eine Fortsetzung des Leistungsanstiegs der ostdeutschen Wirtschaft hin. Wie das IWH bereits im Januar berichtet hat, haben sich die Geschäfts- und die Produktionserwartungen der Industrie aufgehellt. Laut Verbandsumfragen gehen insbesondere die Maschinen- und Anlagenbauer sowie die Hersteller von Elektrotechnik und Elektronik zuversichtlich ins Jahr 2015. Dagegen erwarten erneut weniger Bauunternehmen steigende Geschäfte im neuen Jahr. Die positiv gestimmten Unternehmer befinden sich aber immer noch in der Überzahl. Die Auftragsbücher im verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe sind insgesamt gut gefüllt.


Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Halle