03.09.2014

Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt am Main

In der Industrie schrillen die Alarmglocken

Der Aufwärtstrend im deutschen Industriesektor hat sich im August deutlich abgeschwächt. Das zeigt der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der binnen vier Wochen von 52,4 auf aktuell 51,4 Punkte nachgab. Damit sank das viel beachtete Konjunkturbarometer zugleich auf den tiefsten Stand seit elf Monaten. Der renommierte Index fasst die Geschäftslage von über 500 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in einem Wert zusammen. Der Dynamikverlust wurde maßgeblich bedingt durch einen verringerten Anstieg bei Produktion und Auftragseingängen sowie durch einen mittlerweile drei Monate andauernden Jobabbau.


"Der rückläufige EMI lässt die Alarmglocken der Industrie schrillen. Offensichtlich hinterlassen die anhaltenden geopolitischen Risiken auch bei deutschen Unternehmen erste Spuren", betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Erfreulich sei hingegen, dass die Einkaufspreise den siebenten Monat in Folge, wenn auch nur marginal, gesunken sind.


"Die Luft ist raus. Bereits seit mehreren Monaten befindet sich der EMI im Abwärtstrend", sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, dem BME. Der Sinkflug habe bereits vor der Ukraine-Krise eingesetzt und sich in der Folgezeit noch beschleunigt. Das Tempo der Abwärtsbewegung habe auch die Helaba überrascht, obwohl die grundsätzliche Richtung zu erwarten gewesen sei. Traud: "Deshalb haben wir unsere Wachstumsprognose für 2014 auf 1,5 % reduziert. Für das kommende Jahr waren wir bislang schon sehr verhalten. Eine signifikante Beschleunigung hatten wir sowieso nicht erwartet." Je nachdem wie lange der EMI noch sinke, bestehe jedoch nunmehr das Risiko, dass auch der Start ins Jahr 2015 schwach ausfallen könnte.


Industrieproduktion: Nachdem das Produktionswachstum im Juli noch leicht zugelegt hatte, ist es im August wieder gesunken. Damit nehmen die Fertigungsvolumen zwar seit 16 Monaten zu; allerdings fiel der jüngste Anstieg angesichts des relativ schwachen Marktumfeldes so gering aus wie seit Juni vergangenen Jahres nicht mehr.


Auftragseingang: Die Auftragsvergabe an Industrieunternehmen weitete sich im Berichtsmonat den 14. Monat in Folge aus; allerdings wurde aktuell die niedrigste Anstiegsrate für diesen Zeitraum gemessen. Wenngleich die Auslandsbestellungen sowohl bei Global Playern als auch bei KMU weiter zunahmen, blieb das Exportwachstum deutlich hinter den zu Jahresbeginn gemessenen Werten zurück. Außerdem verringerte sich der Zuwachs an Exportaufträgen, was einige der Befragten auf die EU-Sanktionen gegen Russland zurückführten. Dass die Exportgeschäfte dennoch leicht anzogen, ist vor allem einer verstärkten Nachfrage aus Asien zu verdanken.


Beschäftigung: Aufgrund unsicherer Zukunftsprognosen verkleinerten die Unternehmen ihre Belegschaft nochmals und reduzierten auch ihre Bestellmengen. Die Stellenstreichungen setzen sich nunmehr seit drei Monaten fort, während die Einkaufstätigkeit erst zum zweiten Mal seit Juni 2013 zurückging.


Einkaufs-/Verkaufspreise: Die Einkaufspreise verringerten sich den siebten Monat in Folge, wenn auch nur gering. Teilweise hatten ein verstärkter Wettbewerb unter den Zulieferern sowie erfolgreiche Preisverhandlungen die von den Herstellern zu entrichtenden Preise gedrückt. Viele Produzenten hoben ihre Verkaufspreise abermals an. Der vierte Preisanstieg in Folge war zugleich der höchste seit Jahresbeginn.


Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt am Main