01/10/2014

ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg

Hybridwerkstoff Litecor geht ins Rennen

Das Rennen um das leichteste Auto hat begonnen. ThyssenKrupp Steel Europe bietet eine neue Option für den Trend im Automobilbau: Litecor heißt der innovative Stahlhybridwerkstoff. Er ist das Ergebnis früher und intensiver Vorentwicklung mit Volkswagen. Im Polo R WRC – der Straßenversion des Rallye-Weltmeister-Autos von Sébastien Ogier – setzen die Wolfsburger serienmäßig die Neuentwicklung in der Frontklappe ein. Das moderne Sandwichmaterial eignet sich für den Leichtbau in der Karosserie. Zu sehen ist der Hybridwerkstoff in einer Tür des InCar-plus-Demonstrators auf dem Messestand der Euroblech 2014 zeigt, in Halle 17, Stand E 33.


Um das Auto noch leichter zu machen, galten die Werkstoffe Aluminium und carbonfaserverstärkter Kunststoff CFK bisher als zukunftsfähig. Doch ist es der Stahl, der einen dritten Weg eröffnet. Nun bringt ThyssenKrupp Steel Europe den Hybridwerkstoff Litecor ins Rennen. Der neue Werkstoff ist ein Sandwich: Ein Polymerkern (0,3-1,0 mm Dicke) wird von zwei Stahldeckblechen (je 0,2-0,3 mm Dicke) ummantelt. Somit ist die Neuentwicklung deutlich leichter als herkömmliches Stahlvollblech, zugleich biege- und beulsteif sowie sehr verarbeitungsfreundlich.


Die Schichten des Stahlsandwichs trennen sich auch bei komplexen Formänderungen nicht. Falzen und Bördeln sind ebenso möglich wie das Einbringen von scharfen Designlinien. Das weitgehend identische thermische Ausdehnungsverhalten von Litecor und konventionellen Stahlvollblechen sorgt dafür, dass sich der Hybridwerkstoff gut in Stahlkarosserien integrieren lässt. Die Automobilhersteller können Litecor mit moderaten Anpassungen auf ihren bestehenden Anlagen verarbeiten.


Für die Entwicklung des Hightechwerkstoffs hat das Duisburger Unternehmen intensiv mit Volkswagen zusammengearbeitet. Auch das Pilotprojekt von Litecor erfolgte mit dem Entwicklungspartner aus Wolfsburg. Für die Straßenversion des Polo R WRC – des Autos, mit dem Volkswagen vergangenes Jahr auf Anhieb die World-Rally-Championship gewann – entwickelten die Ingenieure beider Unternehmen eine Frontklappe aus dem neuartigen Hybridwerkstoff. Dadurch reduzierten sie das Gewicht um fast 2 kg gegenüber der Serienmotorhaube. Auf der World-Rallye-Championship 2013 konnte ThyssenKrupp Steel Europe das Potenzial seiner Produktneuheit unter realen Bedingungen testen – und unter Beweis stellen. Für 2 500 Frontklappen wurde so in der Dortmunder Pilotanlage Litecor für die Sonderserie produziert.


Jetzt schon steht fest, dass das moderne Sandwichmaterial sich optimal eignet für den Leichtbau flächiger Bauteile mit hohen Steifigkeitsanforderungen in der Karosserie wie Dach, Tür, Heckklappe und Motorhaube, ebenso für Innenteile wie die Hutablage oder den Fahrzeugboden. Eine Potenzialanalyse im Rahmen des Entwicklungsprojekts für Innovationen im Automobilbau „InCar plus“ hat gezeigt: Bei konsequentem Einsatz von Litecor in der Karosserie kann das Gesamtgewicht eines Fahrzeugs um mehr als 19 kg reduziert werden – zu geringeren Kosten als durch Aluminiumleichtbau. Zudem fällt der neue Werkstoff in der Betrachtung der Umweltbilanz oftmals besser aus als Wettbewerbswerkstoffe im Leichtbaurennen.


ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg