04/11/2014

Stahl-Zentrum, Düsseldorf

Herausforderungen für die Stahlindustrie wachsen

Die Jahrestagung STAHL 2014 findet erneut in einem für die Stahlindustrie in Deutschland schwierigen strukturellen Umfeld statt, so Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender Stahlinstitut VDEh, auf einer Pressekonferenz zur Veranstaltung: Einerseits nimmt der konjunkturelle Gegenwind zu, andererseits hat sich ein ohnehin intensiver internationaler Wettbewerb auf den globalen Stahlmärkten noch einmal verschärft. Hinzu kommt die anhaltende Strukturkrise auf dem europäischen Stahlmarkt. In dieser Situation ist die Stahlindustrie mehr denn je auf wettbewerbsgerechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen angewiesen.


Die Konjunkturdaten für die deutsche Volkswirtschaft haben in den letzten Monaten enttäuscht. Trotzdem sehen wir keinen Anlass, unsere zu Jahresbeginn bewusst konservativ formulierte Prognose für die Rohstahlproduktion 2014 (43 Mio. t) zu korrigieren. Zwar hat sich die Erzeugung zuletzt im Verlauf leicht abgeschwächt und war im dritten Quartal um 3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum rückläufig. Allerdings wurde sie in den letzten Monaten durch Reparaturen behindert. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Produktion bislang um 2,5 % zugelegt, im Gesamtjahr dürfte sich ein Anstieg von 1 % ergeben. Die Kapazitätsauslastung verbessert sich als Folge von Werksschließungen spürbar, bleibt allerdings mit 86 % hinter dem langfristigen Durchschnitt (90 %) zurück. Die EU liegt bei einer Kapazitätsauslastung von 77 %.


Eine voraussichtlich stabile Entwicklung der Mengenkonjunktur 2015 auf dem deutschen Markt darf nicht den Blick auf die weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie in Deutschland verstellen. Grund sind die Strukturkrise auf dem EU-Stahlmarkt auf der einen Seite sowie der verschärfte Importwettbewerb als Folge der bestehenden globalen Unterauslastung der Kapazitäten.


Nationale, aber mittlerweile auch europäische Insellösungen stellen zunehmend in einem internationalen Wettbewerb ein Problem dar. Der globale Klimawandel kann weder in der Europäischen Union noch in Deutschland allein gelöst werden. Im Gegenteil – der weltweit massiv steigende Verbrauch fossiler Energieträger erfordert technisch getriebene Lösungen, die vor allen Dingen in den schnell wachsenden Schwellenländern greifen. Vor diesem Hintergrund ist das Zustandekommen eines internationalen Abkommens unter Einschluss aller wesentlichen Industrie- und Schwellenländer im kommenden Jahr in Paris so wichtig.


Ob EEG oder Emissionsrechtehandel: Erforderlich ist für uns eine nachhaltige Absicherung der Belastungsbegrenzungen für energieintensive Industrien, die nicht im Zweijahresrythmus in Frage gestellt wird. Energiewende und Klimaschutz müssen in sich kohärenter gestaltet und europäisch harmonisiert werden. Wir benötigen bei der Förderung der erneuerbaren Energien mehr Markt und mehr Kosteneffizienz. Nur, wenn Grundstoffindustrien wie die Stahlindustrie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nicht beschränkt werden, können ihre Werkstoffinnovationen zum Gelingen der Energiewende beitragen - kann die Energiewende zum Erfolg geführt und zum Exportartikel werden.


Kerkhoff fasste zusammen: Die Stahlindustrie braucht einen politischen Perspektivwechsel. Die konjunkturelle Situation ist zwar stabil, aber wirtschaftlich unbefriedigend. Zudem nimmt der Importdruck gerade auch aus China zu und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind ungewiss. Die Reform des Emissionsrechtehandels und die dauerhafte Befreiung der ökologisch vorteilhaften Eigenstromerzeugung von der EEG-Umlage sind für die Perspektiven des Stahlstandorts unverzichtbar.


Stahl-Zentrum, Düsseldorf