15.07.2014

© Verlag Stahleisen GmbH

Hafen Schwelgern vor 50 Jahren erweitert

Ein zweites Hafenbecken, zwei neue Entladeanlagen in Schwelgern, dazu eine neue Erzbrech- und Siebanlage und eine zweite Sinteranlage. Das waren 1964 am Schwelgern-Hafen Marksteine, die damals nicht nur den Werkshafen, sondern die Entwicklung des gesamten Werks von ThyssenKrupp Steel Europe voranbrachten. Vor genau 50 Jahren war es m2 Erz-Lagerfläche, was der Fläche von über 22 Fußballfeldern entspricht. Die Schiffs-Entladeanlage konnte nun insbesondere Schubverbände schneller entladen und bis zu 800 t/a Erze löschen. Die damalige Mitarbeiterzeitung berichtete 1964 über den neu aufgestellten Hafenbetrieb und erinnerte dabei auch an den Ort, „wo vormals Angler an einem Baggerloch ihr Glück versuchten“. Bis heute hat sich der Hafen Schwelgern zu einer der bedeutendsten Logistik-Drehscheiben am Rhein entwickelt.


Natürlich gab es schon vor 1964 einen leistungsfähigen Werkshafen, der die Hamborner Betriebe des Eisen- und Stahlwerkes mit Rohmaterialien versorgte. Aber der Ausbau, insbesondere bedingt durch die Erweiterung der Produktion am wachsenden Werksteil Beeckerwerth mit dem neuen Stahl- und  Warmbandwerk, blieb ohne Alternative. Heute blicken unweit vom Schwelgerner Werkshafen Radfahrer in Duisburg-Walsum auf hochmoderne Hafenanlagen von ThyssenKrupp Steel Europe und die reizvolle Flusslandschaft zugleich, bevor sie der Rhein-Radweg östlich des abgegrenzten Hafengeländes für wenige Kilometer vom Fluss wegführt.


Was den Hafen Schwelgern ausmacht, erläutert Markus Wischermann, Leiter der Hafenbetriebe von ThyssenKrupp Steel Europe: „Heute sichert der Rohstoffimport über den Werkshafen Schwelgern die Hochofen- und die Kokereiversorgung von ThyssenKrupp Steel Europe“. Der Hafen Schwelgern sei Teil einer integrierten Logistikkette und gehöre mit seiner jährlichen Umschlagleistung von rd. 23 Mio. t zu den größten deutschen Binnenhäfen. Die Umschlaggüter bestehen vor allem aus Erz für die vier Steel-Europe-Hochöfen und Kohle für die Kokerei. Im Jahr erreichen ca. 10000 Schubleichter mit jeweils bis zu 2800 t Eisenerz oder anderen Montangütern Schwelgern. Das Material wird auf Anforderung der Produktionskunden entladen und umgeschlagen und per Bandanlagen oder mit Hilfe des Bahnbetriebes der Verarbeitung zugeführt. Für ThyssenKrupp Steel Europe arbeiten allein 400 Lokführer auch dafür.


 „Zu den gelöschten Mengen an Erz, Kohle und Koks kommen noch 1 Mio. t Hüttensand. Dieser hochwertige Hüttensand kommt zum Beispiel in der Zementindustrie und dem Betonbau zum Einsatz“, erklärt Wischermann. Meilensteine der Hafenentwicklung waren nach 1970 in Schwelgern die Eröffnung der Schiffsentladeanlagen 3 und 4. Mit ihnen kann ein Greifer beim Entladen von Schubleichtern etwa 20 t Material aufnehmen. Binnen einer Stunde sind somit Förderleistungen von 1000 t möglich. 2003 wurde in Schwelgern zudem eine neue Kokerei gebaut, die die nahen Schwelgerner Hochöfen über große Transportbandanlagen mit Koks versorgt.


Schwelgern, sagt Wischermann, sei heute mit der 1964 modernisierten und erweiterten Hafenanlage nicht zu vergleichen. Das zeigt sich unter anderem am Beispiel noch leistungsstärkerer Kräne, auch ist die Hafenanlage einschließlich der Infrastruktur weiter optimiert. Der Hafen-Chef: „Es gilt insbesondere für die ergonomische Ausrichtung der Umschlaganlagen. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz werden nach bisherigen Erfolgen weiterhin als wichtige Faktoren gesehen.“ Zuletzt erhielt der Hafen für die Vermeidung von Unfällen einen Preis beim internen „Steel Tomorrow Award 2013“. Den letzten Unfall mit Ausfalltagen gab es in Schwelgern vor zwei Jahren. Auch statistisch kann Wischermann ein selbstbewusstes Fazit ziehen: „ThyssenKrupp Steel trägt mit seinen 23 Mio. t Umschlag im Jahr wesentlich zum Umschlagsvolumen in Duisburg, dem Standort des größten Binnenhafens Europas, bei.“


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