05.11.2013

bauforumstahl e.V., Düsseldorf

Europäische Normung erfordert Umdenken bei allen Baubeteiligten

Für Planer, Hersteller und Handel sind der 1. Juli 2013 und der 1. Juli 2014 wichtige Stichtage zur Anwendung der harmonisierten europäischen Normen, hierauf weist bauforumstahl hin. Mit in Kraft treten der EU-Bauproduktenverordnung am 1. Juli 2013 müssen Hersteller von Bauprodukten eine Leistungserklärung erstellen, in der sie die Verantwortung für wesentliche Merkmale ihrer Bauprodukte übernehmen. Nur mit dieser Leistungserklärung darf ein Bauprodukt die CE-Kennzeichnung führen und auf den Markt kommen. Der deutsche Stahlbau ist hierauf gut vorbereitet. Bis Mitte 2013 waren in Deutschland schon über 1 300 Stahlbaubetriebe sowie Unternehmen des Stahlhandels mit Anarbeitung für den Stahlbau zertifiziert, in den übrigen 26 europäischen Länder sind es bisher nur rd. 400 Betriebe.


Bereits am 1. Juli 2012 wurden die Eurocodes 3 und 4 für den Stahl- bzw. Stahlverbundbau gemeinsam mit weiteren Eurocodes im Bauwesen bauaufsichtlich eingeführt. Seit diesem Termin gelten sie als Technische Baubestimmungen – derzeit noch mit geringen Ausnahmen in einzelnen Bundesländern. Für alle nach Eurocode geplanten Bauvorhaben ist auch die Fertigungsnorm EN 1090-2 verbindlich. Der Ständige Ausschuss für das Bauwesen (StAB) in Brüssel hat eine Koexistenzphase bis zum 1. Juli 2014 eingeräumt. Sie ist bedeutsam für Bauvorhaben, die nach alter DIN-Norm geplant und genehmigt wurden (Mischungsverbot). Die Normen der Normenreihe DIN 18800 für vorgefertigte Stahlbauteile werden entsprechend bis zum 1. Juli 2014 in der Bauregelliste A Teil 1 verbleiben. bauforumstahl empfiehlt, aufgrund der sich bei der Umstellung ergebenden Fragen frühzeitig das Gespräch unter allen Baubeteiligten zu suchen, um klare Regelungen zu vereinbaren.   


Für alle Planungen im Wasserbau gelten die Eurocodes grundsätzlich bereits seit 15. September 2012. Laufende Baumaßnahmen, bei denen das Vergabeverfahren bereits vor dem 15. September 2012 begonnen hat oder die bereits beauftragt wurden, sind aber auf Grundlage der vertraglich vereinbarten Regelwerke auszuführen. Für laufende Planungen, die Grundlage einer Bauauftragsvergabe sind, ist das Datum der Genehmigung der Entwurfs-Ausführungsunterlage (Entwurf-AU) bzw. des Technischen Berichtes für die Entscheidung über eine mögliche Berücksichtigung der Eurocodes maßgebend. Bei einer Genehmigung nach dem Stichtag 15. September 2012 sind die Eurocodes und die EN 1090 Normreihe anzuwenden.


Bei Straßenbrücken erfolgte die Umstellung auf die neuen Regelwerke zum Stichtag 1. Mai 2013. Maßgebend ist der Tag der Vergabebekanntmachung des Bauvertrages. Auch hier gilt das "Mischungsverbot" von alten und neuen Regelwerken, d.h. für Projekte, bei denen noch die DIN-Fachberichte zugrunde gelegt wurden, gelten die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten ZTV-ING - Ausgabe März 2012.


Im Bereich der Deutschen Bahn/ DB Netz AG gilt die mit dem europäischen Normenwerk eingeführte Eisenbahnspezifische Liste Technischer Baubestimmungen (ELTB) für alle ab dem 1. Mai 2013 begonnenen Bauvorhaben. Als Beginn gilt hierbei der Zeitpunkt der Ausschreibung für die Erstellung der Bauleistung bzw. der Ausführungsplanung. Alle bereits begonnenen Baumaßnahmen dürfen nach den vertraglich vereinbarten Normen umgesetzt und in Betrieb genommen werden, wenn die Ausschreibung (der Bauleistung bzw. der Ausführungsplanung) vor dem Stichtag 1. Mai 2013 durchgeführt wurde.


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