13.11.2014

BMWi, Berlin

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2014

Die konjunkturelle Dynamik der deutschen Wirtschaft hat sich seit dem Frühjahr abgeschwächt. Die Ursache hierfür liegt vor allem im weniger freundlichen außenwirtschaftlichen Umfeld. Nach dem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal, der auch durch Sondereffekte bedingt war, dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Leistung im dritten Quartal nach den vorliegenden Indikatoren aber zumindest stabilisiert haben. Die wichtigste binnenwirtschaftliche Auftriebskraft ist weiterhin intakt: Der Arbeitsmarkt erweist sich erneut als robust und bleibt Garant für eine zuverlässige Entwicklung der privaten Konsumausgaben.


Die Investitionen in Ausrüstungen wie auch die Bauinvestitionen dürften hingegen im dritten Quartal nochmals leicht abgenommen haben. Vom Außenhandel ist trotz des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds per saldo ein positiver Wachstumsimpuls zu erwarten. Insgesamt setzt die deutsche Wirtschaft ihre Erholung fort. Eine nennenswerte Beschleunigung der moderaten Dynamik zeichnet sich jedoch für das letzte Jahresviertel nicht ab.


Der Welthandel und die Weltindustrieproduktion dürften im dritten Quartal weiter leicht zugenommen haben. Die geopolitischen Risiken sind aber weiterhin hoch. Positive Impulse kommen dabei vor allem von den Vereinigten Staaten und aus den Schwellenländern Asiens. In wichtigen Absatzgebieten der deutschen Wirtschaft ist die wirtschaftliche Dynamik allerdings zurzeit gering. Die OECD hat jüngst, wie zuvor auch schon der IWF, ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für das Jahr 2014 auf +3,3 % zurückgenommen. Im kommenden Jahr 2015 erwartet sie bei einer lediglich geringen Beschleunigung einen Anstieg um +3,7 % (IWF: +3,8 %).


Die deutschen Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen sind im dritten Quartal trotz des schwierigen Umfelds recht kräftig expandiert. Sie nahmen bei größeren ferienbedingten Schwankungen in jeweiligen Preisen im September um 5,6 % und im dritten Quartal insgesamt um 2,7 % zu. Die nominalen Einfuhren stiegen im September mit +5,4 % und mit +1,7 % im dritten Quartal insgesamt etwas weniger stark als die Ausfuhren. Damit zeichnet sich auch unter Berücksichtigung der Preisentwicklung ein spürbarer Wachstumsbeitrag des Außenhandels im dritten Quartal ab. Die Perspektiven für das Auslandsgeschäft bleiben dennoch verhalten. Die Bestellungen aus dem Ausland für Industrieprodukte sind zwar in der Tendenz aufwärts gerichtet. Die Exporterwartungen der Unternehmen liegen aber trotz leichter Verbesserung im Oktober unter dem langjährigen Durchschnitt.


Im produzierenden Gewerbe überlagerten die ferienbedingt kräftigen Produktionsschwankungen die durch das schwierige außenwirtschaftliche Umfeld merklich gedämpfte Grundtendenz. Der Produktionsanstieg im September um 1,4 % war im Wesentlichen eine Gegenreaktion auf den starken Rückgang im Vormonat um 3,1 %.Das produzierende Gewerbe erreichte im September damit zwar nicht ganz das durchschnittliche Produktionsniveau des zweiten Quartals, wurde aber auch nochmals spürbar durch die Lage der Sommerferien beeinträchtigt. Diese Ferientageeffekte zeigen sich insbesondere in der Kfz-Branche, die nach erheblichen Produktionsschwankungen (Juli: +10,2 %; Aug.: -18,2 %; Sept.: +10,1 %) im September noch nicht ganz wieder das Produktionsniveau des zweiten Quartals erreichte. Die Grundtendenz der Konjunktur im produzierenden Gewerbe wird aber nicht durch diese Sonderentwicklungen, sondern durch das schwierige internationale Umfeld geprägt und beeinträchtigt. Die Industrieproduktion lag im dritten Quartal um 0,4 % unter der des zweiten Quartals, das ja bereits durch witterungsbedingte Produktionsverschiebungen etwas unterzeichnet war. Die Auftragseingänge entwickeln sich gegenwärtig stabil, signalisieren aber keine positiven Impulse. Sie erhöhten sich bei überdurchschnittlichen Großaufträgen im September um 0,8 % und im gesamten dritten Quartal um 0,1 %. Dabei entwickelte sich die Nachfrage im dritten Quartal aus Ländern außerhalb der Eurozone günstiger (+3,8 %) als die Nachfrage aus dem Euroraum (-1,7 %) oder dem Inland (-2,0 %). Die Stimmungsindikatoren trübten sich bis zuletzt ein, nur der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex sendete für Oktober ein Hoffnungssignal. Es ist daher zunächst mit einer Seitwärtsbewegung im produzierenden Gewerbe zu rechnen.


Der private Konsum kann sich der konjunkturellen Eintrübung nicht gänzlich entziehen. Er bleibt aber die wichtigste Stütze der Binnenwirtschaft. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich trotz der konjunkturellen Abkühlung weiter günstig.


BMWi, Berlin