16.04.2015

BMWi, Berlin

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im April 2015

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr im Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt hatte bereits im vierten Quartal des letzten Jahres kräftig um 0,7 % zugenommen. Spürbare Einkommenszuwächse und eine solide Entwicklung am Arbeitsmarkt stärken die Binnennachfrage. Sie bleibt in einem schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld die wichtigste Triebfeder der Konjunktur. Zudem dürften die aufgrund der Euroabwertung verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit und der anhaltend niedrige Ölpreis die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich stimulieren. Die Stimmung in den Unternehmen hat sich im letzten halben Jahr merklich verbessert. Die Anschaffungsneigung der privaten Verbraucher ist ungebrochen hoch.


Das hohe Wachstumstempo am Ende des letzten Jahres wird allerdings im ersten Vierteljahr voraussichtlich nicht erreicht. Darauf deuten unter anderem die schwächeren Auftragseingänge und die Produktionsergebnisse im Januar und Februar hin. Insgesamt sprechen die Konjunkturindikatoren jedoch dafür, dass sich der Aufschwung in einem moderaten Tempo fortsetzen wird. Zudem bleiben mit der Schuldenkrise in Griechenland, dem ungelösten Russland-Ukraine-Konflikt sowie der angespannten Situation im Nahen Osten zahlreiche Risiken für die deutsche Konjunktur bestehen. Die Bundesregierung wird ihre Frühjahrsprognose am 22. April vorstellen.


Das Wachstumstempo der Weltwirtschaft steigt leicht an, zeigt sich jedoch weiterhin wenig dynamisch. Im Januar 2015 lag die preisbereinigte Weltindustrieproduktion lediglich 2,5 % über dem Vorjahresniveau. Vor allem das Wachstum der Schwellenländer bleibt weiterhin sehr verhalten. Russlands Konjunktur wird insbesondere durch den niedrigen Ölpreis und durch den Einfluss der Sanktionen deutlich gebremst. Die Prognosen für das russische Bruttoinlandsprodukt gehen mittlerweile von einer kräftigen Rezession im Jahr 2015 aus. In China deuten niedrigere Erwartungen für die Investitionstätigkeit auf ein unterdurchschnittliches Wachstum hin. Positive Impulse kommen aus den Vereinigten Staaten. Aber auch im Euroraum ist ein leichter Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität zu verzeichnen. Der schwache Eurokurs und der niedrige Ölpreis dürften sich positiv auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Für das Jahr 2015 rechnet die EZB mit einem Wachstum von 1,5 % im Euroraum. Für die Weltwirtschaft wird ein BIP-Wachstum von real rund 3,5 % prognostiziert.


Der deutsche Außenhandel entwickelte sich im Februar nach einem leichten Rückgang im Vormonat wieder positiv. Saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen wurden 1,5 % mehr Waren als im Januar exportiert. Die Wareneinfuhren nahmen gegenüber dem Vormonat um 1,8 % zu. In realer Rechnung dürften sie aufgrund der gesunkenen Einfuhrpreise sogar merklich kräftiger gestiegen sein. Im Dreimonatsvergleich entwickelten sich die Auslandsumsätze positiv, die Auslandsbestellungen fielen jedoch etwas schwächer aus. Eher negative Impulse kamen hierbei aus den Ländern des Euroraums, wohingegen sich die Aufträge aus dem übrigen Ausland leicht positiv entwickelten. Die Exporterwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate haben sich weiter aufgehellt. Dies dürfte nicht zuletzt auch auf die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber wichtigen Handelspartnern im Zuge der Abwertung des Euro zurückzuführen sein.


In der Industrie hat sich das Wachstumstempo nach dem starken Schlussquartal 2014 etwas abgeschwächt. Nachdem Brückentage die Produktion im Januar gedämpft hatten, gab es im Februar einen Anstieg um 0,5 %. In der Tendenz bleibt die Industrieproduktion aufwärtsgerichtet, wobei wesentliche Impulse zuletzt von den Vorleistungsgüterproduzenten kamen. Die Industrieumsätze fielen im Februar weniger stark aus als im Vormonat, entwickeln sich aber im Trend ebenfalls positiv. Dies gilt sowohl für das Inlands- als auch für das Auslandsgeschäft. Dagegen sind die Auftragseingänge nach dem kräftigen Dezemberergebnis sehr verhalten ins neue Jahr gestartet. Während die Inlandsnachfrage im Februar unverändert blieb, gingen die Auslandsbestellungen erneut zurück. Die einschlägigen Stimmungsindikatoren, wie das ifo Geschäftsklima, haben sich jedoch weiter aufgehellt. Im Baugewerbe konnte das witterungsbedingt hohe Produktionsniveau des Vormonats im Februar nicht gehalten werden: Es gab einen Rückprall um 3,1 %. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe stiegen im Januar allerdings kräftig um 9,8 % an, wobei die Bestellungen von öffentlichen und gewerblichen Auftraggebern kamen. Das Geschäftsklima in der Baubranche war trotz guter Rahmenbedingungen rückläufig, die Einschätzungen der Unternehmen liegen aber weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt.


BMWi, Berlin