22.08.2014

DIHK, Berlin

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich zu

Demografie und mangelnde Ausbildungsreife verlangen den Unternehmen, die Lehrstellen besetzen möchten, immer mehr Engagement und Kreativität ab. Das zeigt die aktuelle Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Im Rahmen der Onlineumfrage hatten sich rd. 13 000 Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen, -erfahrungen und -motiven geäußert. Die Zahl der Schulabgänger habe in diesem Jahr um 53 000 unter dem Vorjahresstand gelegen, skizzierte DIHK-Präsident Eric Schweitzer das Dilemma. "2025 werden wir nochmals 120 000 weniger Schulabgänger haben als noch 2014." Gleichzeitig sei der Run auf die Hochschulen ungebrochen: "2013 haben rd. 507 000 junge Menschen ein Studium begonnen, rund ein Drittel mehr als noch zehn Jahre zuvor."


In Folge seien 2013 allein im IHK-Bereich 80 000 Lehrstellen unbesetzt geblieben. 29 % der Unternehmen aus Industrie und Handel sei es nicht gelungen, ihre angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen, berichtete der DIHK-Präsident – "ein deutlicher Anstieg um 7 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich". Das Problem habe mittlerweile auch die bei den Bewerbern besonders beliebten größeren Betriebe erreicht.


Der DIHK-Umfrage zufolge ist für die Unternehmen nach wie vor die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger das Ausbildungshemmnis Nummer eins. Zwar gäben die Betriebe immer häufiger lernschwächeren Jugendlichen eine Chance, sagte Schweitzer, doch steige damit auch die Unzufriedenheit der Unternehmen über nicht ausreichende Mathematik- und Deutschkenntnisse wieder deutlich an.


Auch gehe die Schere zwischen betrieblicher Anforderung und sozialen Kompetenzen der Auszubildenden weiter auseinander, warnte er. Am häufigsten beklagten die Betriebe Mängel bei der Leistungsbereitschaft, der Belastbarkeit und der Disziplin.


DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks betonte, dass sich die Unternehmen nicht entmutigen ließen. "Die Betriebe in Deutschland halten ihr Angebot an Ausbildungsplätzen weitgehend stabil", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer. Dabei würden die Jugendlichen immer stärker umworben: Die Unternehmen böten kombinierte Aus- und Weiterbildungsangebote, Auslandsaufenthalte und Zusatzqualifikationen, manche Betriebe setzten auch auf materielle oder finanzielle Anreize.


Zudem verbesserten sie ihr Marketing. Dercks: "Betriebe stellen sich auf die Digital Natives ein und versuchen, über das Internet neue Auszubildende zu gewinnen." Die Berufsorientierung sei ebenfalls ein wichtiger Ansatzpunkt, um Jugendliche für eine duale Ausbildung zu begeistern; sodass mittlerweile 62 % der Unternehmen, die unter rückläufigen Bewerberzahlen leiden, auf das Angebot von Praktika setzten.


DIHK-Präsident Schweitzer nannte die aktuelle Entwicklung einen "Vorgeschmack auf den kommenden Fachkräftemangel": Die fehlenden Azubis von heute seien die fehlenden Fachkräfte von morgen – "und Fachkräftemangel wird in Zukunft immer öfter heißen, dass dual ausgebildete Fachkräfte fehlen".


Sie finden die kompletten Umfrageergebnisse hier zum Download.


DIHK, Berlin