18/06/2015

ifo-Institut, München

Deutsche Wirtschaft im Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in einem kräftigen Aufschwung. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr voraussichtlich um 1,9 % expandieren und im kommenden Jahr um 1,8 %. Der private Konsum bleibt die Stütze des Aufschwungs, da die Einkommensperspektiven der privaten Haushalte aufgrund der sich weiter verbessernden Arbeitsmarktlage gut sind. Allerdings entfallen allmählich die Kaufkraftgewinne durch den Ölpreisrückgang, sodass sich die Konsumdynamik im Prognosezeitraum etwas abschwächen dürfte. Die Unternehmensinvestitionen werden in einem extrem günstigen Finanzierungsumfeld weiter expandieren. Zudem setzt sich der Bauboom fort. Die Abwertung des Euro regt die Exporte noch bis in die zweite Jahreshälfte dieses Jahres an. Im Verlauf des kommenden Jahres kühlt sich die Weltkonjunktur dann leicht ab und dämpft den Zuwachs der Exporte. Die Importe werden aufgrund der hohen binnenwirtschaftlichen Dynamik noch etwas schneller zunehmen als die Exporte. Insgesamt dürften wie schon im Vorjahr die nachfrageseitigen Impulse von der Binnenwirtschaft kommen.


Lage der Weltwirtschaft


Die Weltkonjunktur hat im Frühjahr merklich an Schwung verloren. So hat sich das Expansionstempo der Industrieproduktion sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern gegenüber dem Herbst vergangenen Jahres stark verlangsamt. Zudem ging der Welthandel im ersten Quartal 2015 zurück, nachdem er in der zweiten Hälfte 2014 kräftig zugelegt hatte. Allerdings spricht einiges dafür, dass die Abschwächung der globalen Konjunkturdynamik nur kurzfristiger Natur und bereits in diesem Sommer weitgehend überwunden sein dürfte. So ist die Verlangsamung im ersten Quartal zu einem wesentlichen Teil auf einmalige Sonderfaktoren in den USA zurückzuführen, die im Prognosezeitraum nicht mehr wirken werden. Darüber hinaus dürfte die Weltwirtschaft von der Entwicklung der Ölpreise profitieren. So ist der Preis pro Barrel der Sorte Brent von 112 US-$ im Juni 2014 auf 48 US-$ im Januar gesunken, ehe er sich im Frühjahr erholte und jüngst auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von knapp 65 US-$ stabilisieren konnte. Die massive Verbilligung dieses wichtigen Rohstoffes dürfte den Ländern und Regionen, die Nettoimporteure von Erdöl sind, einen kräftigen konjunkturellen Schub geben. Auf eine Fortsetzung des weltwirtschaftlichen Expansionstempos im Verlauf dieses Jahres mit ähnlich hohen Raten wie im vergangenen Herbst deutet auch das ifo Weltwirtschaftsklima hin, das sich auf einem hohen Niveau befindet und sich seit dem Tiefpunkt im Winter wieder deutlich verbessert hat.


Die Prognose kann über www.cesifo-group.de/prognose aufgerufen und heruntergeladen werden.


 


ifo-Institut, München