15.04.2015

Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), Mannheim

Deutsche Manager bewerten Chinas Konjunkturaussichten zurückhaltend

Die Konjunkturstimmung deutscher Manager in China bleibt im zweiten Quartal 2015 mäßig: Die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage im Reich der Mitte beurteilen Führungskräfte deutscher Unternehmen schwächer als im Vorquartal, aber im Saldo immer noch positiv. Der entsprechende Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen geht von 12,5 Punkten auf 8,5 Punkte zurück. Nur knapp 30 % der Befragten bewerten die Lage momentan als gut oder sehr gut (Vorquartal: 36,5 %). "Mit einer konjunkturellen Aufhellung binnen Jahresfrist rechnen die Manager kaum", kommentiert ZEW-Ökonom Dr. Oliver Lerbs. Im Gegenteil, eine Verschlechterung halten die Befragten inzwischen für deutlich wahrscheinlicher als eine Verbesserung - im Vorquartal war das Stimmungsbild dagegen noch fast ausgeglichen.


Zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen Monate reagierte die chinesische Zentralbank jüngst auf das niedrigste Wachstum seit zwanzig Jahren und senkte den Hauptkredit- und Einlagezins um jeweils 0,25 Punkte auf 5,35 % bzw. 2,5 %. Dennoch erwarten aktuell nur gut 45 % der Befragten für die nächsten Monate einen Anstieg der Investitionsausgaben (Vorquartal: 60 %). Der Anteil der Manager, die von rückläufigen ausländischen Direktinvestitionen ausgehen, steigt von gut 50 % auf über 60 %. Die Zinserwartungen verändern sich deutlich: Ein großer Teil der Befragten rechnet für die kommenden sechs Monate inzwischen mit weiter fallenden Zinsen, zumal auch die Inflationserwartung deutlich gesunken ist. Die tatsächliche Inflation liegt derzeit noch bei 1,4 %. Andererseits wird mit weiterhin steigenden Löhnen gerechnet.


"Hier geht eine Kostenschere auf. Die sinkende Zuversicht in Chinas Wirtschaftswachstum dämpft zurzeit auch die Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen in China", sagt Jens-Peter Otto, Partner und China-Experte bei PwC. Wurde vor einem Jahr noch von 70 % der Entscheidungsträger mit steigenden Handelsaktivitäten gerechnet, so erwarten dies aktuell nur knapp 45 %. Der entsprechende Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen gibt gegenüber dem Vorquartal um 7,7 Punkte nach und steht aktuell immer noch bei exakt 25 Punkten. Zugleich wird per Saldo ein rückläufiges Exportvolumen Chinas in den Rest der Welt erwartet. Tatsächlich sind die Exporte im Januar und Februar 2015 deutlich gegenüber dem Monatswerten des zweiten Halbjahrs 2014 gesunken.


Bezüglich der Investitionsaktivitäten nach Branchen geht der überwiegende Teil der Führungskräfte von steigenden Chinainvestitionen bei Dienstleistern und IT-Unternehmern innerhalb der nächsten sechs Monate aus. Gefolgt werden die beiden Spitzenreiter aktuell von der Versicherungsbranche und dem Bankwesen. Eine zunehmende Unsicherheit ist im Vergleich zum Vorquartal beim Fahrzeugbau zu erkennen. Zwar bleiben die Investitionserwartungen per Saldo positiv, doch streuen die Einschätzungen der Manager breiter als zuletzt: Während 40 % mit steigenden Investitionsausgaben rechnen, geht ein knappes Drittel von rückläufigen Investitionen aus. In den Branchen Stahl/Metalle und Bau setzt sich der Abwärtstrend trotz Zinssenkungen weiter fort. Für beide Sektoren rechnen rd. 80 % der Befragten mit sinkenden Ausgaben. Zugleich erwarten die Manager für diese beiden Branchen überdurchschnittlich hohe Merger-Aktivitäten. China verzeichnet seit geraumer Zeit einen Rückgang der Immobilienpreise auf breiter Front.


Bezüglich des regulatorischen Umfelds in China bleibt das Stimmungsbild der Manager im Vergleich zum Vorquartal weitestgehend unverändert. Lediglich bei den öffentlichen Ausschreibungen deutet sich ein Stimmungswechsel an. Während sich Positiv- und Negativeinschätzungen im Vorquartal noch die Waage hielten, rechnen die Experten nun tendenziell mit verschlechterten Rahmenbedingungen. Möglicherweise steht dieser Stimmungswandel im Zusammenhang mit den in den vergangenen Monaten sehr medienwirksam bekanntgewordenen Behördenermittlungen gegen ausländische Konzerne in China.


Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), Mannheim