25.06.2014

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V., Frankfurt am Main

Deutsch-russisches Werkzeugmaschinengeschäft schwächelt

Zur Metalloobrabotka 2014, der internationalen Messe für die Metallbearbeitung in Moskau vom 16. bis 20. Juni 2014, präsentierte sich die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie mit 134 Ausstellern auf einer Nettoaustellungsfläche von rd. 4.000 m². „Das ist Rekord und zeigt, dass die deutschen Hersteller im wichtigen Markt Russland Flagge zeigen wollen“, sagte Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich eines Pressegesprächs vor russischen Journalisten. Gleichwohl wies er darauf hin,dass die Geschäfte deutlich schwieriger geworden sind. Aufgrund hoher Kapitalabflüsse und steigender Zinsen befindet sich die russische Wirtschaft in der Krise. Als Folge schrauben die Anwenderindustrien, allen voran Automobilhersteller, Feinmechanik/Optik inkl. Medizintechnik und Metallerzeugung, ihre Investitionen drastisch zurück. Entsprechend erwarten die britischen Wirtschaftsforscher von Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, für den russischen Werkzeugmaschinenverbrauch im laufenden Jahr ein Minus von 6 %.


„Damit verliert die russische Industrie wertvolle Zeit für den Ausbau und die Modernisierung ihrer Produktionsstätten, die von der Regierung immer wieder in den Fokus ihrer Industriepolitik gestellt werden“, sagte Schäfer. Moderne Fertigungstechnik werde dringend gebraucht, um kurzfristig den Bedarf im eigenen Land besser erfüllen zu können sowie mittelfristig im Weltmarkt erfolgreich und langfristig unabhängiger vom Rohstoffexport zu werden. Deutsche Werkzeugmaschinenhersteller hätten sich in der Vergangenheit immer als verlässliche Partner erwiesen. Ihre Technologie erfreut sich hoher Wertschätzung bei den russischen Kunden. Russland ist der drittgrößte Exportmarkt für Deutschland. Mit einem Volumen von rd. 518 Mio. € und einem Zuwachs von 8 % war Deutschland der wichtigste Lieferant von Produktionstechnik für die russische Industrie im vergangenen Jahr.


Aufgrund langer Durchlaufzeiten im Projektgeschäft stiegen die deutschen Ausfuhren auch im ersten Quartal 2014 noch um 11 %. Ein Knick ist jedoch absehbar, denn die Bestellungen haben sich im gleichen Zeitraum fast halbiert. Parallel dazu haben die deutschen Behörden aufgrund der aktuellen Turbulenzen in der Ukraine die Genehmigungen im Rahmen der Exportkontrolle für genehmigungspflichtige Produkte nahezu auf Eis gelegt. Großes Ungemach fürchten daher auch die deutschen Aussteller auf der Metalloobrabotka.Herbert Klewenhagen beispielsweise, Gesellschafter der SHW Werkzeugmaschinen GmbH in Aalen, sagt: „Verdeckte Embargobestimmungen gefährden die über Jahrzehnte aufgebaute, erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Unternehmen. Die gewohnte Verlässlichkeit der deutschen Unternehmen wird stark angezweifelt.“ Hinzu käme, dass andere Länder die bestehenden Exportkontrollvorschriften anders auslegten und umsetzten. Das bestätigt Rolf Kurz von der Emag Gruppen-Vertriebs- und Service GmbH, Salach. „Die russischen Kunden konstatieren, bei Nicht-EU-Lieferanten und Asiaten sind unproblematischere Lieferungen möglich.“ Schließlich leidet das deutsch-russische Werkzeugmaschinengeschäft zusätzlich unter der massiven Rubelabwertung, die Maschinen aus Deutschland erheblich verteuert.


 


Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V., Frankfurt am Main