11.08.2014

DIHK, Berlin

DIHK befürchtet "böses Erwachen" beim Finanzierungszugang

Die Finanzierungssituation für die hiesigen Unternehmen hat sich im Sommer 2014 insgesamt weiter entspannt. Das zeigt eine neue Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zum Thema. Die komfortable Lage kann sich allerdings rasch ändern. Die Sonderauswertung "Finanzierungszugang", die auf der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer und damit auf knapp 21 000 Unternehmensantworten beruht, zeichnet ein auf den ersten Blick erfreuliches Bild: 30 % der Betriebe gaben an, derzeit keine externe Finanzierung zu benötigen – ein Rekordwert. Und die Unternehmen, die Fremdkapital brauchen, können sich aktuell oft zu guten Bedingungen Geld leihen.


DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bewertet die Situation allerdings als fragil: "Derzeit überdecken die relativ gute Konjunktur, aber auch die verhaltene Investitionstätigkeit sowie die Niedrigstzinspolitik der Europäischen Zentralbank mögliche Probleme bei der Unternehmensfinanzierung in Deutschland", gab er gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ zu bedenken.


"Zukünftig dürfte es nicht mehr so rund laufen", sagte er. "Deutliche Auswirkungen der Basel-III-Regulierung auf die Unternehmensfinanzierung sind zu erwarten, wenn diese Sonderfaktoren nachlassen." Schon heute zeigten die steigenden Anforderungen der Banken an die Sicherheiten der Schuldner, dass die Unterschiede zwischen guten und mittleren Bonitäten mit den neuen Regeln größer würden.


"Vor allem für Unternehmensgründer könnte es schwierig werden", so Wanslebens Sorge. "Die Entwicklung ist deshalb genau im Blick zu behalten." Insbesondere wenn sich bei einem Konjunkturabschwung die Bonitäten der Unternehmen wieder verschlechterten, könne es zum bösen Erwachen kommen. "Die Finanzmarktregulierung müsste nachjustiert werden", warnte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.


Er berichtete zudem, dass der DIHK-Umfrage zufolge der Bankkredit für die Breite der Unternehmen hierzulande das zentrale Finanzierungsinstrument bleibt. Immer häufiger ergänzten jedoch alternative Instrumente wie Leasing oder Förderkredite die Finanzierungspalette.


Eine Umstellung der Wirtschaft auf eine Kapitalmarktfinanzierung auch kleinerer und mittlerer Unternehmen, wie sie in Brüssel gerne diskutiert werde, gehe "hingegen an der Unternehmensrealität vorbei", sagte Wansleben. Dies sei im – in Deutschland vorherrschenden – Segment kleiner und mittlerer Betriebe aufgrund der Anforderungen der Kapitalgeber kaum zu stemmen.


"Nicht zuletzt deshalb sollte das bewährte Drei-Säulen-Modell der Unternehmensfinanzierung mit privaten Banken, Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken gestärkt werden", forderte der DIHK-Hauptgeschäftsführer, "gerade im Hinblick auf die weitere Ausgestaltung der Europäischen Bankenunion".


Sie finden die DIHK-Sonderauswertung zum Finanzierungszugang mit weiteren Details hier zum Download.


DIHK, Berlin