08.12.2014

WSM, Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V., Düsseldorf

Bundestag beschließt die Rückkehr zum alten System

Bei der Lieferung von vielen Eisen- und Stahlerzeugnissen muss seit dem 1.10.2014 der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Die Rechnungen mussten dafür auf Netto-Rechnungen umgestellt werden. Jetzt rudert der Bundestag bei den meisten Eisen- und Stahlerzeugnissen wieder zurück. Am 4.12.2014 hat der Bundestag dem Entwurf des Gesetzes zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Anpassung weiterer steuerlicher Vorschriften zugestimmt. Der Bundesrat soll am 19.12.2014 zustimmen. Damit werden weitreichende Änderungen, die erst seit dem 1.10.2014 gelten, zum großen Teil wieder zurückgenommen.


Viele Stahl und Metall verarbeitende Betriebe mussten sich ab Oktober auf eine Neuerung beim Stellen und bei der Eingangsprüfung von Rechnungen einrichten. Denn seit dem 1.10.2014 dürfen bei der Lieferung von zahlreichen Metallerzeugnissen aus Eisen und Stahl sowie Aluminium nur noch Nettobeträge ausgewiesen werden. Bis zum 30.9.2014 galt das bekannte Regelverfahren der Umsatzbesteuerung: Der Lieferant fakturiert mit Umsatzsteuer und führt diese an das Finanzamt ab. Der Leistungsempfänger kann die Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen. Seit dem 1.10.2014 gilt: Bei der Lieferung von Metallerzeugnissen aus Eisen und Stahl sowie Roheisen oder Spiegeleisen in Masseln, Blöcken oder anderen Rohformen und vielen weiteren Erzeugnissen aus anderen Metallen schuldet der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer an das Finanzamt. Der Lieferant darf dann nur noch Nettorechnungen ohne Umsatzsteuer ausstellen. Die Umsatzsteuer wird vom Leistungsempfänger selbst berechnet und an das Finanzamt abgeführt. Er muss dazu den Umsatz in seiner eigenen Umsatzsteuervoranmeldung angeben und versteuern. Gleichzeitig kann er die Vorsteuer aus dieser Leistung abziehen, ohne dass dafür die Steuer in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein muss (sogenanntes Reverse Charge Verfahren). Eine Übergangsregelung bis zum 31.12.2014 sieht vor, dass eine Abrechnung nach dem ursprünglichen System unbeanstandet bleibt.


Jetzt soll dieses Reverse Charge Verfahren wieder gekippt werden, sodass für viele Produkte wieder die Rechtslage bis zum 30.9.2014 gilt. Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des WSM, dazu: „Diese erneute Änderung löst Unsicherheiten und einen erneuten finanziellen Aufwand aus. Die Industrie wird in einer nicht nachvollziehbaren Art und Weise unnötig doppelt belastet. Unternehmen brauchen verlässliche Gesetze und Planungssicherheit, dieses Vorgehen erhöht völlig unnötig die Bürokratiekosten zum Nachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“


WSM setzt sich dafür ein, dass die betroffenen Unternehmen, die bereits auf das Reverse-Charge-System umgestellt haben, dieses möglichst beibehalten können.


WSM, Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V., Düsseldorf