14.11.2013

WV Stahl, Düsseldorf

Beiträge zu Ressourceneffizienz, Umwelt- und Klimaschutz

Ein effizienter Umgang mit Rohstoffen ist vor dem Hintergrund des globalen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums die zentrale Herausforderung für die Welt. Ressourceneffizienz und die Rückgewinnung von Rohstoffen durch Recycling spielen auch in der europäischen und der nationalen Politik eine wichtige Rolle. Eine nachhaltige Ressourcenpolitik versucht die Balance zwischen allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft – zu erreichen. Welche Beiträge der Werkstoff Stahl und dessen Recycling zu Ressourceneffizienz, Umwelt- und Klimaschutz leisten können, war Thema einer Konferenz am 12. November in Berlin, die verschiedene Verbände mit den Bundesministerien für Wirtschaft und für Umwelt durchführten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Gunnar Still, ThyssenKrupp Steel Europe, und Dr. Rainer Cosson, Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen.


„Die gemeinsame Konferenz ist auch Ausdruck industrieller Wertschöpfungsketten. Für diese ist Stahl unverzichtbar“, so Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Diese besondere Rolle von Stahl bestätigt Dr. Andreas Schuseil, Leiter der Abteilung Industriepolitik im BMWi, und lobt: „Stahl ist so alt wie das Recycling. Mengenmetalle wie Eisen- und Stahlschrott sind praktisch ohne Qualitätsverluste recyclebar. Für solche Stoffströme bestehen gut funktionierende Märkte“.


Gerade dieses Multi-Recycling hat im Zusammenhang mit nachhaltiger Ressourcenutzung einen besonderen Stellenwert. Prof. Dr. Matthias Finkbeiner von der Technischen Universität Berlin berichtete, wie sich der ökologische Fußabdruck von Stahl mit jeder Recycling-Stufe verringert. „Der Ressourceneinsatz und die Umweltauswirkungen bei der Herstellung von einer Tonne Walzstahl sind beim Multi-Recycling über mehrere Lebenszyklen in Summe um etwa die Hälfte niedriger als bei der reinen Primärproduktion von Stahl“, hat der Wissenschaftler untersucht. „Für die Produktion von einer Tonne Stahl werden beispielsweise weniger als 1 000 kg CO2 bezogen auf die Gesamtlebenszeit emittiert. Die Stahlökobilanz wirft damit ein ganz neues Licht auf diesen Werkstoff“.


Mit der Revision der Abfallrahmenrichtlinie und einer Verordnung zum Ende der Abfalleigenschaft von Stahlschrott wollte die Europäische Kommission eine Steigerung des Recyclings erreichen. Sebastian Will, Rohstoffhändler bei der Heinz Will GmbH & Co. KG, stellt dies in Frage. „Der gut gemeinte Ansatz mündete in einen unvergleichlichen Bürokratismus, der nur noch durch die zunehmenden Rekommunalisierungstendenzen bei der Abfallerfassung übertroffen wird“, kritisiert Will. „Dem mittelständisch geprägten Recyclingsektor werden dadurch Innovationskraft und Flexibilität entzogen, die zur Steigerung der Ressourceneffizienz jedoch dringend nötig wären.“


Dass ein Multi-Recycling auch auf andere Werkstoffe übertragen werden kann verdeutlichte Dr. Christian Wilhelm vom Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie: „Die Verwandtschaft von Stahlschrott und Gussschrott zeigt sich in verwandten Anwendungen, analogen Recyclingeigenschaften und -strukturen, trotzdem bestehen aber immer spezifische Herausforderungen wie etwa bei der Verwertung typischer Gießereiwertstoffe. Die Gießereibranche leistet in mehrfacher Hinsicht erhebliche Beiträge zur Ressourceneffizienz, Umwelt- und Klimaschutz: Materialeffizienz beim Einsatz der Rohstoffe, Energieeffizienz in den Produktionsbetrieben und Produkteffizienz durch gewichtsoptimiertes Design der Bauteile“.


Vor diesem Hintergrund diskutieren die Teilnehmer des Workshops mit Ugo Miretti von der Generaldirektion Unternehmen in der Europäischen Kommission und Dr. Helge Wendenburg, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz im BMU, den aktuellen Stand auf dem politischen Parkett in Brüssel und Berlin. „Ein effizienter Einsatz von Rohstoffen und dabei insbesondere von Sekundär-Rohstoffen stärkt nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen am Weltmarkt, er ist zugleich aktiver Umwelt- und Klimaschutz“, bestätigte Miretti. Wendenburg würdigt die Leistungen der Stahlindustrie und weist auch auf die vielfältige Fördermaßnahmen der Bundesregierung zur Entwicklung und großtechnischen Umsetzung von material- und energieeffizienten Produktions-, Verarbeitungs- und Recyclingtechniken hin.


Abschließend forderten die Moderatoren die dringende Anerkennung des Stahlrecyclings und seiner Leistung für die Ressourcenschonung: „Der Multi-Recycling-Ansatz muss in der Lebenszyklusanalyse sowie in der politischen Diskussionen um Ressourceneffizienz Eingang finden“, so Still. „Es ist wichtig, die ressourcenschonende Nutzung von Sekundärrohstoffen und Nebenprodukten zu fördern, statt dies zu behindern. Wir brauchen ein widerspruchsfreies Gesamtkonzept“, forderte Cosson.


WV Stahl, Düsseldorf