17.10.2013

WV Stahl, Düsseldorf

Altmaier: Wir dürfen der Stahlindustrie keine Ketten anlegen

Der Zeitpunkt war gut: Am selben Tag wurde die EEG-Umlage für 2014 veröffentlicht. Deshalb interessierten sich auf der Saarbrücker Regionalkonferenz am 15. Oktober die rd. 300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vor allem für deren Auswirkung auf die Stahlindustrie. Veranstaltet wurde der Abend von der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl und dem Saarbrücker Verband der Saarhütten. „Energieintensive Grundstoffindustrien wie die Stahlbranche benötigen Investitionssicherheit statt Regulierung“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl in seiner Begrüßung. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer stimmte dieser Haltung zu: „Energieintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, sollten teilweise von der EEG-Umlage befreit werden“.


Die anschließende Podiumsdiskussion ging unter der Moderation von Norbert Klein, Chefredakteur des Saarländischen Rundfunks, der Frage nach, ob steigende Energiekosten die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefährden. Der per Video aus Berlin zugeschaltete Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Peter Altmaier, räumte ein: „Den energieintensiven Industrien wie der Stahlindustrie dürfen keine Ketten angelegt werden, die sie daran hindern, Weltrekorde zu laufen“. Auch er sprach sich dafür aus, dass die Ausgleichsregelung beim EEG für Stahl, Kupfer oder Aluminium erhalten bleiben müssen.


Wie dramatisch die Auswirkungen einer Streichung der Entlastungen von der EEG-Umlage für die deutsche Stahlindustrie wären, skizzierte Dr. Karl-Heinz Blessing, Vorsitzender der Vorstände AG der Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl AG: „Wenn wir die EEG-Umlage voll bezahlen müssten, bedeutet das allein für die saarländische Stahlindustrie eine Mehrbelastung in hoher zweistelliger Millionenhöhe. Dann können wir einpacken“. Ein wettbewerbsfähiger Industriestandort mit einer leistungsfähigen und innovativen Grundstoffindustrie ist und bleibt eine zentrale Voraussetzung für Wohlstand und Wachstum in Deutschland. „Man darf nicht den Kopf der Wertschöpfungskette abschlagen“, warnte Blessing.


„Wir haben keinen Nachholbedarf beim Ausbau regenerativer Energien, aber bei der Strompreisstabilität“, betonte auch Heiko Maas, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Saarland. „Im Saarland sind 32 Betriebe von der EEG-Umlage teilbefreit. Das sind alles Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen“.


Rückendeckung erhielt die Stahlindustrie auch von Seiten der Wissenschaft: „Alle Werkstoffe müssen hierzulande auch in Zukunft produziert werden. Denn ohne Stahl schaffen wir die Energiewende nicht“, sagte Prof. Dr.-Ing. Frank Mücklich, Institutsleiter am Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Universität des Saarlandes. Heinrich Müller, Geschäftsführer des Walzwerktechnik-Unternehmens Plakoma, begrüßte die positive Grundstimmung der Konferenz. Denn am Ende des Abends waren sich alle einig: „Stahl hat Zukunft“, wie es Albert Hettrich, Präsident des Verbandes der Saarhütten, kurz und knapp auf den Punkt brachte.


WV Stahl, Düsseldorf